Drawdown im Trading: Definition, Berechnung und welcher Drawdown im Algo Trading akzeptabel ist
Was ein Drawdown ist, wie er berechnet wird, welche Werte im Algo Trading akzeptabel sind und welche Regeln bei Prop Firmen gelten.

Wer ein automatisches Handelssystem betreibt, wird irgendwann mit dem Drawdown konfrontiert. Nicht als theoretischer Begriff aus einem Lehrbuch, sondern als Zahl auf dem eigenen Konto. Das Konto war bei 11.200 Euro, jetzt steht es bei 10.400 Euro. Die Strategie handelt weiter nach ihren Regeln, aber der Kontostand fällt. Genau diese Phase nennen wir Drawdown. Und genau diese Phase entscheidet darüber, ob ein Trader seinem System vertraut oder ob er es abschaltet.
In diesem Artikel schauen wir uns an, was ein Drawdown genau ist, wie er berechnet wird, welche Werte im Algo Trading akzeptabel sind und welche Drawdown Regeln bei Prop Trading Firmen gelten. Mit konkreten Zahlen und Beispielen aus der Praxis.
Was ist ein Drawdown im Trading?
Ein Drawdown beschreibt den Rückgang des Kontostands von einem Hochpunkt bis zum nächsten Tiefpunkt. Wenn unser Konto von 10.000 Euro auf 10.800 Euro steigt und dann auf 10.300 Euro fällt, beträgt der Drawdown 500 Euro. Das sind 4,63 Prozent bezogen auf das Hoch bei 10.800 Euro.
Der Drawdown misst also nicht den Verlust gegenüber dem Startwert, sondern den Rückgang gegenüber dem bisher höchsten Kontostand. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wenn unser Konto von 10.000 Euro auf 12.000 Euro steigt und dann auf 11.000 Euro fällt, sind wir zwar immer noch 1.000 Euro im Plus. Aber der Drawdown beträgt trotzdem 1.000 Euro oder 8,33 Prozent. Weil wir vom höchsten Punkt aus messen.
Für uns im Algo Trading ist der Drawdown die wichtigste Kennzahl neben der Rendite. Denn eine Strategie, die 30 Prozent im Jahr macht, aber zwischendurch 40 Prozent ins Minus rutscht, ist in der Praxis nicht handelbar. Kein Trader hält das durch. Und kein Prop Trading Konto überlebt das.
Wie wird der Drawdown berechnet?
Die Berechnung ist einfach. Wir nehmen den höchsten Kontostand in einem bestimmten Zeitraum und ziehen den tiefsten Punkt danach ab. Das Ergebnis ist der absolute Drawdown in Euro. Teilen wir diesen Wert durch den Hochpunkt, erhalten wir den prozentualen Drawdown.
Beispiel: Unser Konto startet bei 10.000 Euro. Im Laufe der ersten drei Monate steigt es auf 11.500 Euro. Dann kommt eine Verlustphase und das Konto fällt auf 10.200 Euro. Danach erholt es sich wieder auf 12.000 Euro.
Der Drawdown in dieser Phase beträgt 11.500 minus 10.200 gleich 1.300 Euro. Prozentual sind das 1.300 geteilt durch 11.500 gleich 11,3 Prozent. Das ist der maximale Drawdown in diesem Zeitraum.
Wenn wir den gesamten Backtestzeitraum betrachten, suchen wir den größten Rückgang über alle Hoch und Tiefpunkte. Das nennen wir den maximalen Drawdown oder auch Max DD. Wenn unser Expert Advisor über 5 Jahre getestet wurde und der größte Rückgang dabei 15 Prozent betrug, ist das die Zahl, die wir als Referenzwert nehmen.
Absoluter Drawdown, maximaler Drawdown und relativer Drawdown
Absoluter Drawdown: Der Rückgang bezogen auf den Startwert des Kontos. Wenn wir mit 10.000 Euro starten und das Konto im Verlauf auf 9.200 Euro fällt, beträgt der absolute Drawdown 800 Euro. Diese Zahl zeigt, ob das Konto jemals unter den Anfangswert gefallen ist.
Maximaler Drawdown (Max DD): Der größte Rückgang vom höchsten Punkt zum tiefsten Punkt innerhalb des gesamten Betrachtungszeitraums. Das ist die Kennzahl, die im Algo Trading am häufigsten verwendet wird. Wenn wir sagen, eine Strategie hat einen Max DD von 12 Prozent, meinen wir damit den schlimmsten Einbruch, den diese Strategie im getesteten Zeitraum erlebt hat.
Relativer Drawdown: Der maximale Drawdown in Prozent bezogen auf den jeweiligen Kontohochpunkt. Im Unterschied zum absoluten Drawdown berücksichtigt der relative Drawdown, dass sich der Referenzwert mit jedem neuen Kontohoch verschiebt. Bei Prop Trading Firmen wird häufig mit dem relativen Drawdown gearbeitet, weil er die tatsächliche Risikobelastung des Kontos besser abbildet.
Welcher Drawdown ist im Algo Trading akzeptabel?
Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an. Aber es gibt Richtwerte, die sich in der Praxis bewährt haben.
Wenn wir einen Expert Advisor im Backtest über mehrere Jahre laufen lassen, schauen wir uns zuerst das Verhältnis von Rendite zu maximalem Drawdown an. Dieses Verhältnis heißt Recovery Factor oder auch Profit to Max Drawdown Ratio. Wenn eine Strategie 20 Prozent Jahresrendite bringt und der maximale Drawdown bei 10 Prozent liegt, ist das Verhältnis 2:1. Das ist ein solider Wert.
Als Faustregel gilt: Ein maximaler Drawdown von 10 bis 20 Prozent im Backtest ist für die meisten Algo Trading Strategien ein akzeptabler Bereich. Strategien mit weniger als 10 Prozent maximalem Drawdown handeln in der Regel mit sehr kleinem Risiko pro Trade und liefern entsprechend moderate Renditen. Strategien mit mehr als 25 Prozent maximalem Drawdown werden für viele Trader psychologisch schwierig, weil ein Viertel des Kontos zwischenzeitlich weg ist.
Was dabei oft vergessen wird: Der Drawdown im Backtest ist der Drawdown unter optimalen Bedingungen. Im Live Trading kann der tatsächliche Drawdown höher ausfallen, weil Slippage, Spreads und Marktbedingungen abweichen. Wir rechnen deshalb immer mit einem Puffer. Wenn der Backtest einen maximalen Drawdown von 12 Prozent zeigt, planen wir im Live Betrieb mit 15 bis 18 Prozent. Das klingt konservativ, schützt aber vor bösen Überraschungen.
Wie sich das konkret auf das Startkapital im Algo Trading auswirkt, haben wir in einem eigenen Artikel mit konkreten Rechenbeispielen beschrieben.
Zusammenhang zwischen Drawdown und Positionsgröße
Der Drawdown ist keine feste Eigenschaft einer Strategie. Er hängt direkt mit der Positionsgröße zusammen. Wenn wir das Risiko pro Trade verdoppeln, verdoppelt sich auch der maximale Drawdown. Das klingt offensichtlich, wird aber in der Praxis erstaunlich oft übersehen.
Beispiel: Ein Expert Advisor handelt mit 1 Prozent Risiko pro Trade und hat im Backtest einen maximalen Drawdown von 8 Prozent. Wenn wir das Risiko auf 2 Prozent pro Trade erhöhen, steigt der maximale Drawdown auf ungefähr 16 Prozent. Die Rendite steigt ebenfalls, aber das Risiko einer langen Verlustphase nimmt überproportional zu.
Wenn wir ein Handelssystem auf einem Prop Trading Konto einsetzen, müssen wir die Positionsgröße an die Drawdown Regeln des Anbieters anpassen. Bei einem maximal erlaubten Gesamtverlust von 10 Prozent wäre ein Expert Advisor mit 16 Prozent maximalem Drawdown eine sichere Methode, das Konto zu verlieren. Die Positionsgröße muss so gewählt werden, dass der erwartbare maximale Drawdown deutlich unter der erlaubten Grenze bleibt.
Drawdown Regeln bei Prop Trading Firmen
Prop Trading Firmen setzen feste Drawdown Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Wenn die Grenze gerissen wird, ist das Konto geschlossen. Es gibt keinen zweiten Versuch und keine Ausnahme.
Die zwei wichtigsten Drawdown Regeln bei den meisten Anbietern:
Maximaler Tagesverlust: Dieser Wert begrenzt den Verlust an einem einzelnen Handelstag. Bei vielen Anbietern liegt die Grenze bei 5 Prozent. Das bedeutet, wenn unser Konto am Tagesbeginn bei 50.000 Euro steht, darf der Tagesverlust 2.500 Euro nicht überschreiten. Bei FTMO Instant Funding liegt diese Grenze sogar bei nur 3 Prozent.
Maximaler Gesamtverlust: Dieser Wert begrenzt den Gesamtverlust über die gesamte Laufzeit des Kontos. Üblich sind 10 Prozent. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen festem und trailendem Drawdown. Bei einem festen Drawdown bleibt die Verlustgrenze am Startwert verankert. Bei einem Trailing Drawdown verschiebt sich die Grenze mit jedem neuen Kontohoch nach oben.
Ein Trailing Drawdown ist deutlich anspruchsvoller. Wenn unser Konto von 50.000 Euro auf 52.000 Euro steigt, liegt die Verlustgrenze nicht mehr bei 45.000 Euro, sondern bei 47.000 Euro. Das verringert den Spielraum für Verlustphasen, je höher das Konto steigt.
Welche Regeln konkret bei FTMO gelten und wie ein Expert Advisor diese automatisch einhält, haben wir im Artikel FTMO Expert Advisor Regeln detailliert beschrieben.
Wie wir den Drawdown in der Praxis bewerten
Wenn wir bei Algo Camp einen Expert Advisor entwickeln oder bewerten, schauen wir uns nicht nur den maximalen Drawdown an. Wir schauen uns auch an, wie lange der Drawdown gedauert hat. Ein Drawdown von 10 Prozent, der nach zwei Wochen wieder aufgeholt ist, ist etwas anderes als ein Drawdown von 10 Prozent, der drei Monate anhält.
Die Drawdown Dauer nennen wir Recovery Time. Eine kurze Recovery Time bedeutet, dass die Strategie schnell aus Verlustphasen herauskommt. Eine lange Recovery Time ist oft ein Zeichen dafür, dass die Strategie unter bestimmten Marktbedingungen nicht funktioniert.
Aus unserer Erfahrung mit über 19 Jahren im Trading wissen wir: Jede Strategie hat Drawdown Phasen. Das ist normal und gehört zum systematischen Handel dazu. Entscheidend ist, dass der Drawdown innerhalb der erwarteten Parameter bleibt. Wenn der Backtest einen maximalen Drawdown von 12 Prozent zeigt und wir im Live Betrieb bei 11 Prozent stehen, ist alles im Rahmen. Wenn wir bei 18 Prozent stehen, muss die Strategie überprüft werden.
Backtest Ergebnisse und Performance Charts unserer Expert Advisors zeigen diese Drawdown Phasen transparent. Denn nur wer den schlimmsten Fall kennt, kann damit umgehen.
Drei Fehler im Umgang mit dem Drawdown
Fehler 1: Den Drawdown unterschätzen
Viele Trader schauen sich den Backtest an, sehen 12 Prozent maximalen Drawdown und denken, das sei leicht auszuhalten. In der Theorie stimmt das. In der Praxis sieht es anders aus, wenn das Konto Tag für Tag etwas weniger zeigt und der Expert Advisor trotzdem weiter handelt. Die emotionale Belastung eines Drawdowns ist im Voraus kaum einschätzbar. Deshalb ist es sinnvoll, mit einer Positionsgröße zu starten, bei der selbst der doppelte Backtest Drawdown noch erträglich wäre.
Fehler 2: Die Strategie im Drawdown abschalten
Der häufigste Fehler im Algo Trading: Den Expert Advisor genau dann abschalten, wenn er gerade eine Verlustphase durchläuft. Das Problem dabei ist, dass Drawdown Phasen endlich sind. Wenn wir die Strategie abschalten, verpassen wir oft die Recovery Phase, in der die Verluste wieder aufgeholt werden. Abschalten sollte man nur, wenn der Drawdown den vorher festgelegten Maximalwert deutlich überschreitet.
Fehler 3: Drawdown Werte zwischen Strategien vergleichen
Ein maximaler Drawdown von 10 Prozent bei Strategie A ist nicht das Gleiche wie 10 Prozent bei Strategie B. Die Zahl allein sagt wenig aus, wenn wir nicht wissen, wie die Strategie handelt. Eine Strategie, die 5 Trades am Tag macht, wird ihren maximalen Drawdown schneller erreichen als eine Strategie, die 2 Trades pro Woche macht. Vergleichbar sind Drawdown Werte nur, wenn die Handelshäufigkeit, das Risiko pro Trade und der Testzeitraum ähnlich sind.
Fazit
Der Drawdown ist die Kennzahl, die zeigt, was eine Strategie im schlechtesten Fall kostet. Nicht die Rendite entscheidet, ob ein Handelssystem langfristig funktioniert, sondern ob der Trader den Drawdown aushält.
Im Algo Trading liegt ein akzeptabler maximaler Drawdown je nach Strategie zwischen 10 und 20 Prozent im Backtest. Für Prop Trading Konten gelten engere Grenzen, meistens 5 Prozent Tagesverlust und 10 Prozent Gesamtverlust. Die Positionsgröße muss so gewählt werden, dass diese Grenzen auch in einer schlechten Phase nicht gerissen werden.
Wer den Drawdown seiner Strategie kennt, kann damit planen. Wer ihn ignoriert, wird früher oder später eine unangenehme Überraschung erleben.
FAQ
Häufige Fragen

Über den Autor
Gründer & Geschäftsführer, Algo-Camp
David Warney entwickelt und tradet automatisierte Handelssysteme für MetaTrader 4 und 5. Seine Karriere begann in einer Algo-Vermögensverwaltung. Dort lernte er, dass Handelslogik nach klaren Regeln und nicht nach Tagesform entscheidet. Seit 2016 baut er diese Systeme für private Trader und vermittelt bei Trading-Kings sein Wissen über das Trading.
