Algo-Trading: Wie viel Startkapital brauchst du?
Mindestlot, Verlustrisiko, Margin und laufende Kosten bestimmen, mit welchem Kapital ein automatisches Handelssystem sinnvoll arbeiten kann.

Eine der häufigsten Fragen, die uns bei Algo-Camp gestellt wird: Wie viel Geld brauche ich, um mit dem Algo-Trading anzufangen? Die Antwort ist nicht so einfach wie eine einzelne Zahl, denn sie hängt von mehreren Faktoren ab. Vom Mindestlot des Brokers, vom Risiko pro Trade, von der Margin und von den laufenden Kosten. In diesem Artikel rechnen wir das an konkreten Beispielen durch.
Warum die Frage wichtig ist
Mit zu wenig Kapital auf dem Konto passiert Folgendes: Die Positionsgröße ist so klein, dass die Gewinne kaum spürbar sind. Gleichzeitig reicht eine normale Verlustserie aus, um das Konto so weit herunterzuziehen, dass die Margin nicht mehr ausreicht und der Broker Positionen schließt. Wer mit zu wenig Geld startet, gibt seinem Handelssystem keine faire Chance. Es kann die Strategie noch so gut sein, wenn das Konto die normalen Schwankungen nicht aushält, ist das Ergebnis trotzdem ein Verlust.
Auf der anderen Seite muss man auch nicht mit 50.000 Euro anfangen. Es gibt einen Bereich, in dem das Kapital ausreicht, um das System ordentlich laufen zu lassen, ohne dass wir unnötig viel Geld binden. Genau diesen Bereich wollen wir hier bestimmen.
Die vier Faktoren, die den Kapitalbedarf bestimmen
Bevor wir rechnen, müssen wir die vier Faktoren verstehen, die zusammen den Kapitalbedarf ergeben.
Der erste Faktor ist das Mindestlot. Das ist die kleinste Positionsgröße, die der Broker zulässt. Bei den meisten Forex Brokern liegt das Mindestlot bei 0,01 Lot, also einem Mikrolot. Im EUR/USD bewegt sich ein Mikrolot pro Pip um etwa 0,10 Euro. Bei manchen Brokern oder bei bestimmten Instrumenten kann das Mindestlot höher liegen. Wenn das Mindestlot bei 0,1 Lot liegt, bewegen wir pro Pip schon einen Euro. Das hat direkten Einfluss darauf, wie viel Kapital wir mindestens brauchen.
Der zweite Faktor ist das Risiko pro Trade. Die Faustregel im Trading lautet: maximal ein bis zwei Prozent vom Kontostand pro Trade riskieren. Bei einem Konto mit 1.000 Euro und einem Prozent Risiko sind das 10 Euro pro Trade. Die Frage ist dann, ob 10 Euro Risiko mit dem Mindestlot und dem Stop Loss des Handelssystems zusammenpassen.
Der dritte Faktor ist die Margin. Für jeden offenen Trade muss der Broker eine Sicherheitsleistung einbehalten. Bei einem Hebel von 1:30, wie er in Europa für Forex Paare vorgeschrieben ist, beträgt die Margin für ein Mikrolot im EUR/USD rund 33 Euro. Das klingt wenig, aber wenn das Handelssystem mehrere Positionen gleichzeitig offen hat, summiert sich die Margin.
Der vierte Faktor sind die laufenden Kosten. Ein VPS Server kostet zwischen 10 und 30 Euro im Monat. Dazu kommen eventuell Kosten für Kursdaten oder zusätzliche Software. Diese Kosten laufen unabhängig davon, ob das System Gewinne macht oder nicht. Bei einem sehr kleinen Konto können die monatlichen Fixkosten einen erheblichen Anteil am Kontostand ausmachen.
Rechenbeispiel: Drei Kontogrößen im Vergleich
Schauen wir uns an, wie die vier Faktoren bei verschiedenen Kontogrößen zusammenspielen. Wir nehmen als Beispiel ein Handelssystem, das den EUR/USD handelt, einen Stop Loss von 30 Pips hat und maximal eine Position gleichzeitig offen hält.

Bei 500 Euro Kontostand beträgt das rechnerische Risiko pro Trade nur 5 Euro. Bei einem Stop Loss von 30 Pips ergibt das eine ideale Lotgröße von 0,017. Der Broker rundet aber auf das nächste handelbare Lot, und das sind 0,01. Das funktioniert technisch, aber der Spielraum ist minimal. Die VPS Kosten von 20 Euro pro Monat fressen 4 Prozent vom Kontostand auf. Algo-Trading mit 500 Euro ist technisch möglich, wirtschaftlich aber schwierig.
Bei 2.000 Euro sieht es deutlich besser aus. Das Risiko pro Trade liegt bei 20 Euro, die Lotgröße bei 0,07. Der Broker kann das sauber umsetzen. Die freie Margin nach dem Trade ist mit 1.767 Euro komfortabel. Die VPS Kosten liegen bei einem Prozent vom Kontostand, das ist verkraftbar.
Bei 5.000 Euro wird es richtig komfortabel. Die Lotgröße lässt sich feiner skalieren, die Fixkosten fallen kaum ins Gewicht und ein Drawdown von 750 Euro bringt das Konto nicht in Bedrängnis.
Das technische Minimum und die sinnvolle Ausstattung
Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was sinnvoll ist. Technisch gesehen kann man bei vielen Brokern bereits mit 200 oder 300 Euro ein Konto eröffnen und ein Handelssystem laufen lassen. In der Praxis hat ein so kleines Konto aber mehrere Probleme. Der Stop Loss muss extrem eng sein, damit das Risiko zum Kontostand passt. Die Positionsgröße ist so klein, dass selbst profitable Monate kaum Ertrag bringen. Und die Fixkosten für den VPS Server machen bei einem 300 Euro Konto einen erheblichen Anteil aus.
Aus unserer Erfahrung bei Algo-Camp liegt die sinnvolle Untergrenze für den Einstieg ins Algo-Trading bei etwa 1.000 bis 2.000 Euro. In diesem Bereich kann das System mit einer angemessenen Positionsgröße arbeiten, die Fixkosten sind im Verhältnis zum Kontostand tragbar und ein normaler Drawdown bringt das Konto nicht in eine kritische Lage.
Fixkosten im Verhältnis zum Kapital

Die Grafik zeigt, wie stark die Fixkosten bei kleinen Konten ins Gewicht fallen. Bei 500 Euro betragen die jährlichen VPS Kosten 48 Prozent vom Startkapital. Das Handelssystem müsste also fast 50 Prozent Rendite im Jahr erwirtschaften, nur um die Serverkosten zu decken. Das ist unrealistisch. Ab 2.000 Euro liegt der Anteil bei 12 Prozent, ab 5.000 Euro bei unter 5 Prozent. Je größer das Konto, desto weniger fallen die Fixkosten ins Gewicht.
Was passiert bei mehreren Systemen gleichzeitig?
Viele Algo-Trader lassen nicht nur ein Handelssystem laufen, sondern mehrere. Das kann sinnvoll sein, weil verschiedene Systeme verschiedene Marktphasen abdecken. Allerdings braucht jedes zusätzliche System auch zusätzliches Kapital. Wenn jedes System einen maximalen Drawdown von 15 Prozent hat und drei Systeme gleichzeitig laufen, kann im schlimmsten Fall der Drawdown aller drei Systeme zusammenfallen. Die Margin wird ebenfalls mehrfach belegt.
Als Faustregel: Für jedes zusätzliche System sollte das Konto um mindestens 50 Prozent des Einzelbedarfs aufgestockt werden. Wer mit einem System 2.000 Euro braucht, sollte für zwei Systeme mindestens 3.000 Euro einplanen und für drei Systeme 4.000 bis 5.000 Euro.
Unsere Handelssysteme und der Kapitalbedarf
Bei Algo-Camp geben wir für jedes Handelssystem an, mit welchem Mindestkapital es sinnvoll betrieben werden kann. Diese Angabe basiert auf dem maximalen Drawdown aus dem Backtest, dem Stop Loss der Strategie und dem Mindestlot von 0,01. Auf unserer Webseite findest du für jedes System die Backtestergebnisse, die Kennzahlen und die empfohlene Kontogröße. So kannst du vor dem Kauf prüfen, ob das System zu deinem verfügbaren Kapital passt.
Fazit
Wie viel Startkapital du für Algo-Trading brauchst, hängt vom Mindestlot deines Brokers, vom Risiko pro Trade, von der Margin und von den laufenden Kosten ab. Technisch ist der Einstieg ab wenigen hundert Euro möglich. Sinnvoll wird es ab 1.000 bis 2.000 Euro, weil erst in diesem Bereich die Positionsgröße vernünftig skaliert werden kann und die Fixkosten nicht die gesamte Rendite auffressen. Wer mehrere Systeme gleichzeitig laufen lassen möchte, braucht entsprechend mehr. Die wichtigste Regel: Lieber mit einem angemessenen Konto und der richtigen Positionsgröße starten als mit zu wenig Kapital und zu viel Risiko.
