MetaTrader 4 oder MT5 für Algo Trading: was 2026 noch Sinn ergibt
    Algo-Trading

    MetaTrader 4 oder MT5 für Algo Trading: was 2026 noch Sinn ergibt

    MT4 oder MT5 für automatische Handelssysteme? Unterschiede bei Backtest, Hedging, Broker Support und was der Wechsel für deine Expert Advisors bedeutet.

    David Warney
    AutorDavid Warney
    8 Min Lesezeit
    Risikohinweis

    Der MetaTrader 4 läuft seit 2005. Über 20 Jahre und noch immer im Einsatz bei Millionen von Tradern weltweit. Gleichzeitig hat MetaQuotes bereits 2022 aufgehört, neue MT4 Lizenzen an Broker zu vergeben. Der MT4 bekommt keine neuen Funktionen mehr, nur noch Sicherheitsupdates. Die Frage für Algo-Trader lautet also nicht mehr, ob der Wechsel zum MT5 kommt, sondern wann. Und was das für bestehende Handelssysteme (Expert Advisors) bedeutet.

    Der aktuelle Stand: MT4 im Wartungsmodus

    MetaQuotes hat den MT4 nie offiziell abgekündigt. Was 2022 passiert ist, war leiser, aber folgenreicher: Es werden keine neuen MT4 Serverlizenzen mehr an Broker verkauft. Das bedeutet, dass jeder Broker, der nach 2022 gestartet ist, den MT4 gar nicht mehr anbieten kann. Er hatte schlicht keine Möglichkeit, eine Lizenz zu erwerben. Bestehende Broker, die schon eine MT4 Lizenz hatten, können den MT4 weiterhin betreiben. Aber neue Funktionen oder Weiterentwicklungen gibt es nicht mehr.

    Im Juli 2025 hat MetaQuotes zusätzlich den Support für ältere MT4 Builds eingestellt. Seit diesem Datum funktionieren nur noch Versionen ab Build 1440. Wer eine ältere Version hatte und nicht aktualisiert hat, konnte sich nicht mehr mit dem Brokerserver verbinden. Einzelne Broker gehen noch weiter: OANDA Japan hat beispielsweise angekündigt, den MT4 im November 2026 komplett abzuschalten und alle Kunden auf den MT5 zu migrieren.

    Der MT4 funktioniert also noch. Aber er wird nicht mehr weiterentwickelt, die Zahl der Broker, die ihn anbieten, wird kleiner und der Wechsel zum MT5 ist in der Branche längst im Gang. Für Algo-Trader, die langfristig planen, ist das ein wichtiger Punkt.

    Strategietester: Der größte Unterschied für Algo-Trader

    Für manuell handelnde Trader sind die Unterschiede zwischen MT4 und MT5 überschaubar. Für Algo-Trader ist der Strategietester der Punkt, an dem sich die beiden Versionen am deutlichsten trennen.

    Der MT4 Strategietester arbeitet auf einem einzigen Prozessorkern. Egal wie viele Kerne unser Computer hat, der MT4 nutzt nur einen davon. Ein Backtest, der auf dem MT5 in 60 Sekunden durchläuft, kann im MT4 sechs bis zehn Minuten dauern. Wer regelmäßig Strategien testet und optimiert, merkt diesen Unterschied sofort.

    Dazu kommt die Datenqualität. Der MT4 arbeitet mit modellierten Tickdaten. Das heißt, die Software schätzt, wie sich der Kurs innerhalb einer Kerze bewegt hat. Der MT5 bietet dagegen den Modus „Jeder Tick auf Basis realer Ticks". Hier werden tatsächliche historische Tickdaten verwendet, was zu deutlich genaueren Backtestergebnissen führt. Besonders bei Strategien, die auf kleinen Zeiteinheiten handeln oder bei Nachrichtenereignissen aktiv sind, macht das einen spürbaren Unterschied.

    Und dann ist da noch das Multicurrency Testing. Der MT4 kann immer nur ein Währungspaar gleichzeitig testen. Wenn unser Handelssystem auf mehreren Paaren läuft oder Korrelationen zwischen Märkten berücksichtigt, müssen wir im MT4 jeden Markt einzeln testen und die Ergebnisse von Hand zusammenrechnen. Der MT5 kann mehrere Symbole gleichzeitig in einem Backtest verarbeiten. Das System sieht dabei die Kurse aller Symbole in der korrekten zeitlichen Reihenfolge, genau wie im Livebetrieb.

    Hedging und Netting: Ein wichtiger Unterschied

    Im MT4 gibt es nur einen Modus: Hedging. Jeder Trade wird als eigene Position geführt. Wenn wir im EUR/USD zwei Kaufpositionen und eine Verkaufsposition eröffnen, sehen wir drei separate Positionen im Terminal. Jede Position hat ihren eigenen Stop Loss und Take Profit.

    Im MT5 gibt es zwei Modi: Hedging und Netting. Welcher Modus aktiv ist, legt der Broker beim Konto fest. Im Hedging Modus funktioniert alles wie beim MT4. Im Netting Modus werden alle Trades auf dem gleichen Symbol zu einer einzigen Position zusammengeführt. Wenn wir zuerst 1 Lot kaufen und dann nochmal 0,5 Lot kaufen, haben wir keine zwei Positionen, sondern eine Position mit 1,5 Lot und einem gemittelten Einstiegskurs.

    Für Algo-Trader ist das relevant, weil ein Handelssystem, das für den Hedging Modus programmiert wurde, auf einem Netting Konto anders funktionieren kann. Wenn das System zwei gegenläufige Positionen eröffnen will, werden sie im Netting Modus verrechnet statt nebeneinander zu existieren. Das kann die gesamte Logik des Systems durcheinanderbringen. Deshalb sollten wir bei der Kontowahl beim Broker darauf achten, ob ein Hedging Konto angeboten wird, wenn unsere Handelssysteme diesen Modus benötigen. Die meisten CFD Broker im europäischen Raum bieten Hedging Konten für den MT5 an.

    MQL4 und MQL5: Zwei verschiedene Programmiersprachen

    Der MT4 basiert auf MQL4, der MT5 auf MQL5. Obwohl die Namen ähnlich klingen, sind es zwei verschiedene Sprachen. MQL4 ist prozedural aufgebaut, MQL5 ist objektorientiert. Das Ordermanagement funktioniert komplett anders. In MQL4 arbeiten wir mit Ordernummern und Funktionen wie OrderSend und OrderClose. In MQL5 gibt es ein neues Positionskonzept mit Funktionen wie PositionSelect und PositionGetDouble. Auch die Indikatoraufrufe und viele andere Grundfunktionen unterscheiden sich.

    Das hat eine direkte Konsequenz: Ein Handelssystem, das für den MT4 geschrieben wurde, läuft nicht auf dem MT5. Die Dateiformate sind unterschiedlich (.ex4 und .ex5), der Quellcode ist nicht kompatibel und man kann ein MT4 System nicht einfach in den MT5 kopieren und starten. Das System muss komplett für MQL5 umgeschrieben werden. Bei einfachen Systemen geht das relativ zügig, bei komplexeren mit mehreren tausend Zeilen Code kann das ein erheblicher Aufwand sein. MetaQuotes stellt zwar einen Migrationsleitfaden bereit, aber von einer automatischen Konvertierung sind wir weit entfernt.

    Was passiert mit bestehenden MT4 Systemen?

    Wer heute ein Handelssystem für den MT4 betreibt, muss nicht sofort in Panik geraten. Der MT4 läuft weiterhin und wird von vielen Brokern noch angeboten. Aber die Uhr tickt. Die Zahl der Broker mit MT4 Lizenzen wird nicht größer werden, sondern kleiner. Wer den Broker wechseln möchte und einen neueren Anbieter in Betracht zieht, wird dort möglicherweise keinen MT4 mehr vorfinden.

    Wenn der Wechsel zum MT5 ansteht, müssen bestehende Handelssysteme in MQL5 umgeschrieben werden. Wer den Quellcode hat, kann das selbst tun oder einen Programmierer damit beauftragen. Wer keinen Quellcode hat, weil er ein fertiges System als .ex4 Datei gekauft hat, ist auf den Anbieter angewiesen. Wenn der Anbieter keine MT5 Version bereitstellt, muss ein neues System her.

    Das Konto selbst lässt sich in der Regel nicht direkt von MT4 auf MT5 migrieren, weil es sich um verschiedene Serverinfrastrukturen handelt. In den meisten Fällen eröffnen wir beim Broker ein neues MT5 Konto und übertragen das Kapital. Offene Positionen müssten vorher geschlossen werden. Der genaue Ablauf hängt vom jeweiligen Broker ab.

    Unsere Handelssysteme laufen auf beiden Plattformen

    Bei Algo-Camp entwickeln wir unsere Handelssysteme grundsätzlich für beide Plattformen: MetaTrader 4 und MetaTrader 5. Wer heute ein Handelssystem bei uns kauft, bekommt beide Versionen und kann selbst entscheiden, auf welcher Plattform er es einsetzen möchte. Wenn später der Wechsel vom MT4 zum MT5 ansteht, muss kein neues System gekauft und kein Programmierer beauftragt werden. Die MT5 Version ist bereits vorhanden.

    Gleiches gilt für unseren Programmierservice. Wer bei uns eine individuelle Strategie programmieren lässt, erhält das Handelssystem auf Wunsch für beide Plattformen. So ist der Wechsel jederzeit möglich, ohne Abhängigkeit von einer einzelnen Plattformversion.

    Fazit

    Wer heute mit dem Algo-Trading startet, sollte direkt mit dem MT5 beginnen. Der bessere Strategietester mit echten Tickdaten und Multicurrency Testing, die schnellere Ausführung durch Multithreading und die Zukunftssicherheit sprechen klar dafür. Wer bereits mit dem MT4 arbeitet und zufrieden ist, muss nicht morgen wechseln. Aber er sollte wissen, dass der MT4 keine neuen Funktionen mehr bekommt, die Zahl der unterstützenden Broker sinkt und bestehende Handelssysteme nicht einfach auf den MT5 übertragen werden können. Je früher der Wechsel geplant wird, desto reibungsloser verläuft er.

    David Warney

    Über den Autor

    Gründer & Geschäftsführer, Algo-Camp

    David Warney entwickelt und tradet automatisierte Handelssysteme für MetaTrader 4 und 5. Seine Karriere begann in einer Algo-Vermögensverwaltung. Dort lernte er, dass Handelslogik nach klaren Regeln und nicht nach Tagesform entscheidet. Seit 2016 baut er diese Systeme für private Trader und vermittelt bei Trading-Kings sein Wissen über das Trading.