Liebe Algo-Camper (und diejenigen, die es noch werden wollen),
Oft herrschen in der (Algo-)Trading-Welt gewisse Missverständnisse oder auch schlicht Unkenntnis in Bezug auf das Thema Steuern.

Fallen welche an? Wenn ja, welche? Gibt es Tipps, wie eine reibungslose Abführung vonstatten gehen kann? Gibt es individuelle Punkte zu beachten? Wer hilft mir da weiter?

Zu all dem und mehr gibt es jetzt für Sie und Ihr Trading einen kleinen Artikel von Algo-Camp, der Sie mit der Thematik vertraut machen möchte und Ihnen interessante wie auch gängige Kniffe an die Hand gibt, die Ihnen den Steueralltag erleichtern oder mit denen Sie sogar – selbstverständlich vollkommen legal – bares Geld sparen können.

Tradingerträge versteuern?

Steuern sind allgegenwärtig. Sie begegnen uns auf unserem Lohnzettel in Form von Lohnsteuer, wenn wir tanken gehen in Form von Mineralölsteuer oder beim Lebensmittelkauf in Form von Mehrwertsteuer. Wir als OECD-Abgabenlast-Spitzenreiter (Platz 2 hinter Belgien) kennen Steuern in unserem Alltag also nur all zu gut. Bleibt das Trading etwa von diesen verschont? Nein, natürlich nicht!.Dabei macht es keinen Unterschied, ob Sie manuell traden oder Ihre Trades vollautomatisiert von einem Expert-Advisor durchführen lassen.

Was Sie eigentlich an Steuern zahlen müssen

Die Mehrzahl von Ihnen wird bestimmt schon von Ihr gehört haben, denn Sie wird auf Kapitalerträge allerlei Art erhoben: die Abgeltungssteuer. Sie wird folglich nicht nur auf Erträge durch beispielsweise den Forex-CfD-Handel erhoben, sondern auch auf Zinseinnahmen aus einem Tagesgeldkonto, Aktienveräußerungen oder Dividenden. Sie wird also fällig auf Zinsen, Dividenden und Veräußerungen aller Art. Der Forex-Handel fällt dabei unter die Rubrik Veräußerungen.

Die Abgeltungssteuer trat zum 01. Januar 2009 in Kraft und versteuert Kapitalerträge pauschal mit 25 %. Ihr wird nachgesagt, dass Sie den Prozess der Abführung deutlich vereinfacht, denn die Banken führen direkt an das zugehörige Finanzamt ab. Darin liegt definitiv ein immenser Vorteil, denn vor der Einführung mussten Kapitalerträge individuell nach Einkommenssteuersatz versteuert werden und somit konnten diese nicht automatisiert abgeführt werden, sondern mussten separat in der Steuererklärung angegeben werden.

Auf den Sitz Ihres Brokers kommt es an

Beachten Sie hierbei unbedingt: diese automatische Abführung erfolgt nur bei einem Broker mit Sitz in Deutschland. Nur dieser erledigt die Versteuerung für Sie. Bei einem Broker mit Sitz im Ausland müssen Sie darauf achten, Ihre Erträge durch Trading bzw. Algo-Trading in Ihrer Steuererklärung eigenhändig anzugeben. Tuen Sie dies nicht, ob wissentlich oder unwissentlich, droht im schlimmsten Fall Ärger!

Dies heißt nun nicht, dass Sie, sollten Sie ein Konto bei einem ausländischen Broker haben, alle Brücken abreißen müssen. Wie gesagt, können Sie Ihre Kapitalerträge ebenfalls einfach in Ihrer Steuererklärung, genauer gesagt in der Anlage „KAP“, angeben. Die separate Angabe, also die nicht automatische Abführung der Steuern auf Ihre Tradingerträge, kann sogar finanzielle Vorteile für Sie haben! Aber dazu später mehr.

Weitere Steuern, die anfallen (können)

Mit der pauschalen 25-%-Besteuerung ist es aber noch nicht getan. Zum einen ist da der Solidaritätszuschlag, den es trotz Rekordsteuereinnahmen wohl noch einige Jahre geben wird. Der Satz des „Solis“ liegt bei 5,5 %. Erhoben auf die Abgeltungssteuer ergibt sich somit ein Satz von 26,375 % auf Ihre Erträge.

Eine andere Steuer, die anfallen kann, ist die Kirchensteuer. Hierbei gilt es, den Faktor Wohnort zu beachten. Denn der Kirchensteuersatz beträgt 8 % in Baden-Württemberg und Bayern, 9 % in allen anderen Bundesländern. Somit ergibt sich unter Berücksichtigung der sogenannten pauschalen Ermäßigung, im feinsten Bürokraten-Sprech „pauschaler Sonderausgabenabzug“ genannt, ein Steuersatz von 28,375 % (8 % Kirchensteuer) und 28,625 % (9 % Kirchensteuer).

Nun aber genug der Abgaben. Kommen wir als nächstes dazu, wie Sie das Thema Steuern beim Trading für sich vereinfachen und optimieren können sowie sogar bares Geld sparen.

Tipps und Kniffe

Das Thema Steuern ist keines, mit dem wir uns beim Trading gerne und viel rumschlagen möchten, verständlich! Auch wir Algo-Trader denken da nicht anders. Unsere Handelssysteme geben uns zwar Zeit, da wir nicht gezwungen sind, Tag und Nacht unseren Blick gen Monitor zu wenden. Trotzdem haben auch wir ein gewisses Interesse an einem effektiven Management unserer Steuern. Deshalb nun drei Punkte, die Sie eigenständig beachten und anwenden können!

Lassen Sie Ihren Broker etwas Arbeit für Sie erledigen

Sie haben die Möglichkeit, einen „sofortigen Kirchensteuerabzug“ zu beantragen. Der etwas bürokratische Term lässt eigentlich schon recht gut erahnen, was gemeint ist. Sie müssen sich folglich nicht mehr selbst um die Abführung der Kirchensteuer auf Ihre Erträge kümmern, sondern das würde fortan Ihr Broker für Sie erledigen. Eigentlich recht praktisch, denn dann müssen Sie diese Erträge nicht selbst im Rahmen Ihrer Steuererklärung angeben und sparen somit Zeit und Nerven. Dinge, die wir lieber für etwas anderes aufwenden.

Damit der Broker das für Sie tut, müssen Sie Ihm erst einmal die Erlaubnis dazu geben. Meistens bieten die Broker auf Ihrer Webseite das entsprechende Formular an, welches Sie also nur noch ausfüllen, unterschreiben und an den Broker zurückschicken müssen. Schauen Sie bei Ihrem Broker also einfach nach, ob sich das Dokument unter „Formulare“ befindet oder fragen Sie Ihn zur Not. Denn es kann auch sein, dass er das Dokument eventuell nicht bereitgestellt hat, aber trotzdem den entsprechen Service anbietet. Dann gibt es für Sie die Möglichkeit, sich eine entsprechende Vorlage dieses Dokuments selbst aus dem Internet zu suchen.

In jeder Hinsicht sollte die Beantragung des sofortigen Kirchensteuerabzugs keine große Sache für Sie darstellen und recht unkompliziert von der Bühne gehen.

Nutzen Sie den Sparer-Pauschbetrag

Der zweite Tipp von uns an Sie ist etwas für Ihr Portemonnaie: der Freistellungsauftrag. Dieser mag Einigen von Ihnen bestimmt schon ein Begriff sein. Doch wussten Sie, dass dieser auch auf Erträge aus Ihrem (Algo-)Trading anwendbar ist?

Der Freistellungsauftrag stellt im wahrsten Sinne des Wortes Ihre Erträge von Steuern frei. Und zwar bis zu einem Betrag (Stand heute) von 801 € bzw. bei Ehepaaren 1602 € pro Jahr. Dieser Betrag ist der sogenannte Sparer-Pauschbetrag. Angewandt auf den höchstmöglichen

Steuersatz von 28,625 %, dessen Zusammensetzung wir uns eben angeschaut haben, bedeutet dies eine Steuerersparnis für Sie von circa 230 €! Bares Geld, für das man zumindest hier bei uns in Berlin einige Portionen Currywurst mit Pommes bekommen würde!

Wichtig zu wissen ist, dass Sie den Sparer-Pauschbetrag auf mehrere Geldanlageprodukte aufteilen können. Sollten Sie beispielsweise wissen, aus einer festverzinslichen Anlage einen Ertrag von 100 € in diesem Jahr zu erzielen und bereits einen Freistellungsauftrag an das beteiligte Kreditinstitut gestellt haben, blieben noch 701 € für Ihr Trading übrig. Was Sie natürlich nicht dürfen ist, den Sparer-Pauschbetrag zu überschreiten, also beispielsweise 500 € Ihres Bausparkontos und 500 € Ihres Tradingdepots freizustellen.

Ansonsten aber ist die Beantragung recht unkompliziert. Wie beim sofortigen Kirchensteuerabzug gehen wir hier wieder so vor, dass wir zunächst einmal schauen, ob unser Broker das entsprechende Formular auf seiner Webseite zur Verfügung stellt. Uns ist kein Broker bekannt, der dies nicht tut! Schicken Sie dieses ausgefüllt zu Ihrem Broker und schon wird er den angegebenen Betrag freistellen.

Ermitteln Sie Ihre persönliche Steuersituation

Der letze kleine Kniff, den wir Ihnen vorstellen möchten, kann für den einen oder anderen finanziell äußerst attraktiv sein! Er ist jedoch etwas individueller und somit komplizierter, denn er hängt von Ihrer persönlichen Einkommenssituation ab. Genauer gesagt hängt er von Ihrem persönlichen Steuersatz ab, der vereinzelt auch Durchschnittsbelastung genannt wird. Ihren persönlichen Steuersatz berechnen Sie wie folgt:

Bezahlte Einkommenssteuer * 100 / Gesamteinkommen = persönlicher Steuersatz

Ihre an das Finanzamt abgeführte Einkommenssteuer eines Jahres finden Sie in Ihrem Steuerbescheid. Liegt der berechnete persönliche Steuersatz unter dem pauschalen Satz der Abgeltungssteuer von 25 %, können Sie sich die zu viel gezahlten Steuern am Ende des Jahres im Zuge Ihrer Steuererklärung zurückholen. Hier sind wir wieder bei der Anlage „KAP“ angelangt.
Die Angabe kann sich mitunter sehr lohnen, gerade für Geringverdiener, Berufseinsteiger, Auszubildende und Teilzeit-Beschäftigte ist das mehr als interessant! Sie können den Abgeltungssteuersatz in vielen Fällen unterbieten und somit einen geringeren Steuersatz für all Ihre Erträge erreichen! Hier reden wir von Ersparnissen, die durchaus bis in die Tausender gehen können!

Übrigens: sollten Sie überhaupt nicht einkommenssteuerpflichtig sein, müssen Sie auch keinen Cent von Ihren Erlösen aus dem Trading und allgemein aus irgendeiner Geldanlage an den Fiskus zahlen. Es greift die sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung, die Sie diesmal

nicht an Ihren Broker, sondern direkt an das zuständige Finanzamt schicken. Dies ist interessant für all diejenigen, deren Einkommen zuzüglich Ihrer Kapitalerträge unter dem Grundfreibetrag (Stand heute) von 9000 € bzw. bei Ehepaaren 18000 € liegt.
In jedem Fall kann es sich lohnen, seinen persönlichen Steuersatz einmal zu berechnen und zu schauen, ob man einen Teil seiner abgeführten Steuern wiederbekommen kann!

Nun wissen wir ja alles, oder?

Wir wollten Ihnen mit diesem Artikel einen Überblick über das Thema Steuern beim Trading geben. Sollten trotzdem noch Fragen auftauchen und Unklarheiten herrschen, die sich nicht mit den obigen Ausführungen klären lassen, empfehlen wir Ihnen, es doch einmal in Erwägung zu ziehen, sich von einem Steuerfachmann beraten zu lassen. Es ist nämlich in Sachen Steuern aus unserer Sicht besser, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nachgefragt zu haben!

Wir hoffen aber, dass Sie sich nun etwas wohler im Umgang mit der Thematik fühlen und vielleicht sogar der eine oder andere Kniff dabei gewesen ist, der Ihnen persönlich weiterhilft oder mit dem Sie sogar Geld sparen können.

Wir von Algo-Camp freuen uns, Ihnen helfen zu dürfen!

 

Wichtige Anmerkung:

Dies stellt keinerlei steuerliche Beratung da. Wir sind keine Steuerberater und haben in diesem Gebiet auch keinerlei Ausbildung oder Weiterbildungen. Sie sollten hier sicherheitshalber immer einen Steuerberater kontaktieren.

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